Projektraum, Köln-Kalk

The Sky is a Singing Swarm
Viktor Brim

Eröffnung: 24.4.2026, 19:00

Magentafarbene Wüstenlandschaft mit tausenden Heliostaten und leuchtendem Solarturm – „The Sky is a Singing Swarm", Viktor Brim.

Eröffnung: 24.4.2026, 19:00
Projektionen in den Schaufenstern: 25.4.-7.6.2026

The Sky is a Singing Swarm (2024) ist eine Mehrkanal-Videoinstallation von Viktor Brim, entstanden in und um Las Vegas. Aus wechselnder Distanz blickt eine technospekulative Instanz auf eine Landschaft, die zugleich postapokalyptisch und archäologisch erscheint, durchzogen von den Spuren eines Imperiums, das seinen eigenen Niedergang in Monumenten, Ruinen und beschleunigten Zyklen kreativer Zerstörung inszeniert. Dieser Blick changiert zwischen maschineller Überwachung und metaphysischer Präsenz und lässt sich weniger als Subjekt denn als Metapher einer Beobachtung verstehen, die in letzter Konsequenz ein operativer Blick auf Landschaft ist. Damit knüpft die Arbeit an jene von Harun Farocki beschriebene Linie operativer Bilder an, in der Bilder nicht mehr repräsentieren, sondern messen, lokalisieren, prozessieren und einer Handlung vorausgehen oder ihr unmittelbar zuarbeiten.

Die Drohnenkinematografie erfasst die industriellen Wüstenzonen Nevadas, urbane Silhouetten und das umliegende Terrain und verschränkt menschliche, maschinelle und natürliche Sphären zu einem unauflöslichen Beziehungsgeflecht. Ein Infrarotfilter verleiht der Vegetation ein spektrales Rot und markiert zugleich den militärischen Ursprung des visuellen Apparats, dessen Wellenlängen ursprünglich der Aufklärung und Tarnungsdetektion dienten. In der Bildlogik der Arbeit schwingen Silhouetten unbemannter Fluggeräte und Waffensysteme als latente Formen mit, deren formale Präsenz auf den militärisch-industriellen Komplex verweist, ohne ihn ikonografisch ausstellen zu müssen. Die Arbeit bewegt sich im Spannungsfeld von Überwachung, Drohnenkriegsführung und geopolitischer Repräsentation und positioniert den Schauplatz als postimperiale Beobachtungszone, in der sich Hegemonie, militärische Bildproduktion und spektakuläre Selbstinszenierung überlagern, während die Oberflächen der Stadt und die Weite der Wüste als gleichzeitig geweihte und stillgestellte Ruinen lesbar werden. Die räumliche Aufteilung auf mehrere Kanäle übersetzt die fragmentierte, entkörperlichte Logik dieses operativen Blickregimes in die Betrachtungssituation selbst und konfrontiert das Publikum mit einer Sehweise, die nicht für menschliche Wahrnehmung gemacht ist, der es sich aber dennoch aussetzt.

Viktor Brim (geb. 1987, Usbekistan) untersucht, wie sich Macht und Ideologie in Landschaften einschreiben, von post-sowjetischen Extraktionszonen bis zu den Standorten globaler Tech-Infrastruktur. Seine Praxis begreift Landschaft als skulpturales Material, geformt durch menschliche und nicht-menschliche Prozesse, und kartiert mittels forensischer Bildverfahren, wie sich technologischer Fortschritt durch Extraktion materialisiert und periphere Territorien in operative Felder verwandelt. Im Zentrum steht die Frage, wie Sichtbarkeit selbst zum Instrument geopolitischer Ordnung wird, wie Bilder nicht mehr nur repräsentieren, sondern messen, klassifizieren und steuern. Brims Arbeiten bewegen sich zwischen dokumentarischer Beobachtung und spekulativer Verdichtung und legen jene Schichten frei, in denen militärische, industrielle und ökologische Logiken miteinander verschmelzen; Landschaft erscheint dabei nicht als Hintergrund, sondern als Akteur und Archiv zugleich, durchzogen von den Spuren ihrer eigenen Vermessung. Indem er Kameratechnologien einsetzt, deren Geschichte selbst in militärischen und wissenschaftlichen Kontexten verwurzelt ist, verschiebt Brim die Position des Betrachters und stellt die Bedingungen technisch vermittelter Wahrnehmung selbst zur Disposition.

https://viktorbrim.com/


Gefördert mit Mitteln der Stiftung Kalk Gestalten